Marketing-Trends 2022: Social Media wird zu Social Shopping 

Markenbildung und persönlichere Ausrichtung deines Unternehmens auf Kund:innen sind zwei der Trends im E-Commerce 2022, die wir dir bereits in unserem Magazin näher erläutert haben. Im letzten Teil schauen wir uns nun Social Media etwas näher an.

Trend 3: Warum die Plattformen der Sozialen Netzwerke zu neuen Online-Shops werden.

Die Sozialen Netzwerke werden für den Online-Verkauf immer wichtiger: Bis 2025 wird sich die Zahl der Verkäufe voraussichtlich verdreifacht haben. (Value of social commerce sales worldwide from 2020 to 2027, Statista) In den USA kaufen bereits 30% der Online-User:innen direkt auf diesen Plattformen. (Why Small Businesses Could Benefit from the Launch of Facebook Shops, eMarketer) Absoluter Spitzenreiter ist aber China, wo bereits die Hälfte der User:innen die Shops auf Social Media nutzt und hier das Zehnfache der US-Käufe erzielt. (Retail Social Commerce Sales in China vs. the US, 2021, eMarketer)

Seit der Pandemie sind die Menschen immer länger online unterwegs und verbringen so auch mehr Zeit mit Social Media – typische Nutzer:innen kommen hier auf einen Anteil von 15% der Tageszeit. (Global Social Media Stats, DataReportal) Damit wächst auch der Handel auf diesen Seiten: So plant ein Drittel der Facebook-Nutzer:innen, die Plattform 2022 direkt für Käufe zu nutzen. Ein Trend, der auch bei Instagram eine Neuausrichtung ausgelöst hat. Adam Mosseri, Head of Instagram, sieht sein Unternehmen nicht länger als reine Austauschplattform für Fotos: Mit der Möglichkeit von Video-Uploads tritt Instagram jetzt in direkte Konkurrenz zu den schnell wachsenden Anbietern wie YouTube und TikTok.

Die steigende Bedeutung der Sozialen Netzwerke für den Handel bietet Unternehmen einen wichtigen Vorteil: Hier haben sie deutlich mehr Einfluss auf das Image ihrer Marke. Auf den übrigen Marktplätzen, bei denen meist das Produkt allein im Fokus steht, geht diese Identität schnell verloren.

Social Media auch beim E-Commerce auf Erfolgskurs.

Kein Wunder, dass der Wettbewerb an Fahrt aufnimmt: 49% der Unternehmen wollen 2022 ihre Investitionen beim Handel in Sozialen Medien steigern. (Shopify eCommerce Market Credibility Study, 2021) Einfach das chinesische Erfolgsmodell zu kopieren wird aber nicht funktionieren, da hier ganz andere Voraussetzungen herrschen. China hat nicht nur die weltweit meisten Online-Käufer:innen: Auch die Verbindung zwischen Shopping und Entertainment gibt es hier schon deutlich länger, sodass das angesagte Livestream Shopping sich hier praktisch von allein entwickeln konnte.

In Nordamerika und Europa ist diese Verschmelzung von Livestreaming und Handel auf Sozialen Plattformen noch nicht so weit fortgeschritten. Das macht den Einstieg für Newcomer:innen schwierig: Wo anfangen? Manche Unternehmen kooperieren mit etablierten Anbietern wie TikTok, Sephora und Facebook während andere ihre eigenen Kanäle geschaffen haben.

Da Kund:innen mehr direkt auf den Sozialen Netzwerken kaufen, werden diese immer interessanter für den E-Commerce, aber auch unübersichtlicher und interaktiver. Die weltweiten Ausgaben für Anzeigen auf Social Media lagen im dritten Quartal 2021 bereits 26% über den Ausgaben im gleichen Zeitraum des Vorjahres (Digital 2021 October Global Statshot Report, Datareportal) Unternehmen, die Social Media nur als einen weiteren Kanal für Anzeigenkampagnen sehen, werden aber schnell an Grenzen stoßen und kaum Vertrauen bei den User:innen wecken. Um dir Gehör zu verschaffen, musst du hier die zwischenmenschlichen Elemente des Offline-Handels in die Online-Variante integrieren.

Näher an den Käufer:innen mit Live Chat und Video.

Um deinen Online-Handel auf den Sozialen Netzwerken persönlicher zu gestalten, sind Live Chat und Video die perfekten Strategien. Auch online schätzen Käufer:innen direkten Kontakt und problemlose Erreichbarkeit des Kundenservice. Live Chats werden hier immer intensiver genutzt. Kund:innen möchten mit einem Unternehmen und einer Marke genauso problemlos kommunizieren wie sie es im Freundeskreis machen.

Ebenso gehören Videos heute zum Internet einfach dazu. Von der Websuche bis zu Livestreams werden sie für die kommende Generation von Online-Shoppern bei der Kaufentscheidung immer wichtiger. 46% der Kund:innen schauen sich vor dem Kauf Produkt-Videos an und 81% der Unternehmen planen daher, ihre Investitionen in diesem Bereich zu steigern oder zumindest zu halten. (Shopify eCommerce Market Credibility Study, 2021) Ein erfolgreicher Weg: Einige Unternehmen verzeichnen eine Steigerung von bis zu 30% bei den Verkäufen bei gleichzeitigem Rückgang der Retouren. (It’s showtime! How live commerce is
transforming the shopping experience, McKinsey Digital)

Unsere Tipps für ein erfolgreiches Social Shopping:

1. Schaffe ein Live-Erlebnis, das zu deiner Zielgruppe passt.
Communities entstehen nicht durch Zufall: Investiere Zeit und Ressourcen. Als Community Manager:in bist du das Gesicht und die Stimme deiner Marke.

● Finde das richtige Format.

  • Nutze Events wie Black Friday oder Halloween für passende Live-Events, bei denen Kund:innen direkt shoppen können.
  • Setze bei Produkt-Launches auf ausgefeilte Präsentationen wie beim Tele-Shopping oder auf die Präsentation durch Influencer:innen.
  • Biete einen Blick hinter die Kulissen und zeige, wie deine Produkte entstehen, wo sie herkommen und wie sie in Szene gesetzt werden.
  • Überlege genau, zu welcher Tageszeit und wie lange du live online sein willst und welcher Kanal am besten ist, um dein Publikum zu erreichen. Denke daran, dass du ein Team brauchst, um Fragen zu beantworten, Diskussionen zu moderieren und Gespräche zu leiten.

● Nutze die richtige Plattform.
Wähle für deinen Livestream eine Plattform, bei dem die Kund:innen nicht den Social Media-Kanal wechseln müssen. Je weniger Klicks, desto weniger Reibungsverluste und desto größer ist die Chance auf einen Kauf. Nutze einen starken Call-to-Action – eher „Jetzt kaufen!“ als „Mehr Infos.“

● Setze deinen Content ins richtige Licht.
Dein virtuelles Einkaufserlebnis muss mit ebenso viel Sorgfalt wie ein Schaufenster inszeniert werden. Visuelle Hinweise oder Animationen können hier hilfreich sein. Inszenierung bedeutet nicht unbedingt Hochglanz: Bewusst eingesetzte Videos in geringer Auflösung zum Beispiel beim Auspacken lassen deine Kund:innen näher an die Marke ran.

● Arbeite mit Influencer:innen und Kreativen zusammen.
Rund die Hälfte der Händler:innen planen im kommenden Jahr eine Zusammenarbeit mit Influencer:innen, um gemeinsam Produkte zu entwickeln. (Shopify eCommerce Market Credibility Study, 2021) Influencer:innen erreichen ein größeres Publikum und können so für Promotion interessant sein. Außerdem wichtig: Influencer:innen genießen großes Vertrauen in ihrer Community. So vertrauen 89% der YouTube-Nutzer:innen den Empfehlungen, die hier gegeben werden. (What’s next for YouTube, from Advertising Week New York, Ads & Commerce Blog – Google)

● Checke deinen Lagerbestand.
Erfolgreicher Livestream wird in kürzester Zeit zu einer hohen Nachfrage führen – also heißt die Devise: Bereit sein! Plane rechtzeitig mit deinem E-Commerce-Team, damit ihr genügend Produkte für diese Nachfrage auf Lager habt.

2. Entwerfe ein Social Shopping-Erlebnis, das konvertiert.

Passe deinen Store Social Media an.
Deinen Store in den Sozialen Medien solltest du sorgfältig gestalten. So kannst du dich an deiner Website orientieren, um gleich ein Gefühl von Vertrautheit zu schaffen oder du setzt deine Top-Produkte ein und stellst sie hier im Detail vor. 

Mache deine Videos fit für Shopping.
Wähle ein oder zwei Produkte aus und zeige sie in Aktion. Denk dran, deine Zuschauer:innen stets mit einzubeziehen und biete immer wieder klickbare Call-to-Action-Buttons während des gesamten Videos. Videos mit direktem Verkauf könnten für einige Zuschauer:innen noch neu sein – weise also am besten immer wieder einmal auf diese Möglichkeit hin. 

Entwickele ein aussagekräftiges Attribution Modelling. 
Ads auf deinen Shopping-Videos geben dir Aufschluss über das Nutzungsverhalten deiner User:innen wie Click-to-view, Click-to-buy oder Click-to-share. Denk dran, dass jedes Attribution Modelling dir nur einen Ausschnitt davon zeigt, welche Touchpoints die User:innen zum Kauf gebracht haben. Nutze also mehrere Datenquellen, um ein vollständiges Bild zu erhalten und deinen Top-Channel herauszufinden. UTM-Parameter bei Google Analytics, das Verhalten der User:innen, die Daten deines Accounts und die Click-Journey können hier weitere Hinweise geben. Hilfreich ist auch eine direkte Befragung der Kund:innen nach dem Kauf.

Unsere Magazinreihe zu den Trends dieses Jahres endet hiermit. Wir hoffen, ihr konntet ein paar Anregungen für euch mitnehmen. Falls ihr euer Business erst startet und noch auf der Suche nach einer passenden Software für euer E-Commerce seid, meldet euch gern für einen unverbindlichen Beratungstermin bei uns.